Direkt zum Hauptbereich

Mein erster Field Trip zweiter Teil

Am nächsten Tag wurden wir um 5:30 Uhr geweckt. Da einer unserer Begleiter der Meinung war, dass, wenn wir das Licht in unserem Quartier anlassen, es wärmer wäre, hatten Leo und ich wenig bis gar nicht geschlafen. Zum Glück brachte uns ein starker Chai sowie die Vorfreude auf den bevorstehenden Tag wieder auf die Beine und so starteten wir in den Tag. Wir wurden erst von einer gewöhnlichen Riksha in die nächste größere Stadt namens Paderu gebracht, die ca. 1 Stunde entfernt lag.
Dort angekommen gab es erst einmal das Wichtigste des ganzen Tages, Frühstück! Wenn es kein Frühstück gibt, dann ist hier eher schlechte Laune bei den Leuten. Es wird noch mehr Wert auf Frühstück gelegt als auf die restlichen Mahlzeiten. Es gab Puri und Curry, Puri sind Fladen, die in Öl frittiert werden und so sehr nahrhaft und lecker schmecken, das Curry war eher weniger gut!!
Als wir nach einer weiteren halben Stunde Warten, es war bereits 8:00, endlich den Bus nach Matsyagundam bekamen, waren wir schon mehr als bedient, weil der Tag bereits wirklich anstrengend gewesen war.
Matsyagundam ist eine kleine Tempelstätte, die von der Regierung völlig auf Tourismus umgebaut wurde und dementsprechend einfach nicht mehr naturell verbunden ist, da überall Beton ist. Auch ein nebendran gebauter Park, der völlig verlassen war, machte das Ganze nicht wirklich besser.
Nachdem wir bei der Tempelstätte am Fluss gewesen waren, mussten wie erstmal 5 km mit all unserem Gepäck laufen, um die nächste Bushaltestelle zu erreichen. Bei 31 Grad im Schatten und einer Luftfeuchtigkeit von ca. 85 Prozent ist das gar nicht so einfach!


Nach dem kurzen Aufenthalt in Matsyagundam ging es für uns direkt weiter zu einer Touristen Attraktion in der Nähe, ein völlig überfüllter Wasserfall und eine Transe, die mich um alles in der Welt umarmen und dann dafür noch Geld wollte.
Also das muss ich nochmal näher beschreiben. Als ich aus dem Bus stieg, wurden wir erstmal von Verkäufern belagert wie immer, wenn wir als Weiße an einer Touristen-Attraktion Halt machten. Allerdings kam diesmal der Hammer erst später. Der Hammer kam in Form eines Transsexuellen Mannes, der mich sofort belagerte und mich mit seinem gebrochenen Englisch aufforderte, ihn zu umarmen, und dass ich ihm dafür noch direkt 500 Rupien geben sollte (ca. 7 Euro). Ich lehnte erst einmal relativ geschockt ab, was ihn aber irgenwie eher motivierte und er immer aufdringlicher wurde. Meine Begleiter einschließlich Leo konnten sich das Lachen nicht verkneifen und so lachten sie ohne Ende, während ich damit beschäftigt war, dem jungen Herrn alias Dame zu erklären, dass ich weder an einer Umarmung seinerseits noch an einem Bezahlen von 500 Rupien für diesen Dienst interessiert war! Als ich ihn endlich losgeworden war, kamen meine Begleiter immer noch nicht aus dem Lachen heraus und so ging es 20 min weiter, bis sie sich endlich eingekriegt hatten. Leider kam genau dann das liebreizende Wesen zurück, um mich wieder zu belagern, bis zu guter letzt ein „I love you” aus seinem Mund in ziemlich tiefer Tonlage kam. Dann riss mir die Hutschnur und ich schaffte es, ihm endgültig zu verklickern das ich echt keinen Bock auf seine Umarmung und Gegenwart hatte. Er begriff das auch relativ schnell und so konnte ich endlich weg von diesem doch relativ komischen Ort! Irgenwie eine komische Geschichte, in einem sehr konservativen Land wie Indien auf eine Transe zu stoßen, die dich belagert.
Der leicht überfüllte Wasserfall.
Nach diesem Erlebnis ging es weiter in ein Museum, das wirklich wenig erwähnenswert war, da es wirklich nicht gut ausgearbeitet war! Aber schon zur Mittagszeit waren Leo und ich wirklich fertig! Wir waren mittlerweile um die 15 km gelaufen und unsere Rucksäcke drückten immer mehr gen Boden. Immerhin konnten wir bei dem Museum zu Mittag essen.
Um zu unserem Ziel zu gelangen, mussten wir in einem heillos überfüllten Riksha noch den Berg hinauffahren. Überfüllt heißt, dass in einem dreirädrigen Gefährt mit uns zusammen 13 Leute saßen. Man kann davon sprechen, dass wir gestapelt waren. Es mag sich komisch anhören, in einem Gefährt so groß wie ein Auto mit 13 Leute zu fahren, aber es ist völlig normal und keiner wundert sich darüber, also tat ich das auch nicht!
Nach der Hälfte der Strecke stieg ungefähr die Hälfte der Mensche aus, so dass ich den Rest der Fahrt die atemberaubende Natur bewundern und meinen Gedanken freien Lauf lassen konnte, während aus der völlig übersteuerten Bassbox ein Telugu Lied dröhnte. Ich hab das Lied aufgenommen und jetzt muss ich immer, wenn ich dieses Lied höre, an diesen Abend denken, hinten auf einem Riksha durch die völlige Einöde, überall nur Berge und Wald und ab und an mal ein Motorrad und ich in der Mitte, der Weiße, 19-Jährige aus Deutschland. Das Lied findet ihr hier.

Nun, als wir ausstiegen, mussten wir dann noch mit all unserem Gepäck einen schmalen Gebirgspfad entlanglaufen, um in das 30 min Fußmarsch entfernte Dorf Katiki zu kommen. Dieses Dorf hat keinen direkten Straßenanschluss und ist auch nicht auf Google Maps zu finden. Es ist wunderschön gelegen an einem Wasserfall und nur über eine weiter weg liegende „Straße” zu erreichen. Ich würde diesen Weg einfach nicht als Straße bezeichnen, weil wirklich nur Geländejeeps diesen heruntergekommen Track hochkommen.
Leider birgt diese Abgeschiedenheit auch Gefahren und so war 10 Tage vor unserer Ankunft ein Dorfbewohner gestorben an Dengue Fieber und weil es zu spät erkannt wurde, konnten die Menschen ihn nicht mehr in das nächste Krankenhaus bringen.
Das Dorf an sich hat ca. 140 Einwohner, die alle wirklich nett waren und uns toll beherbergten.

Katiki am nächsten Morgen in aller Früh.
Der eigentliche Grund, warum wir gekommen waren, war, dass wir den Tourismus, den der Wasserfall auslöst, dokumentieren und Bericht erstatten sollten, der an eine Zweigstelle der Indischen Regierung ging. Es war wirklich erschreckend, wie viele Plastikflaschen aber auch Unterhosen und Pappkartons wir am Wegrand fanden.

Müll einfach mitten in der Natur!
Nachdem ich kurz vor dem hereinbrechenden Regen noch einmal zum Wasserfall marschiert war (das Dorf liegt ca. 1 km entfernt vom Wasserfall), bekamen wir wieder Puri und durften bei einer Familie im Bett schlafen die uns glücklich beherbergen wollte. Es war komisch, dass diese Menschen uns ihr Bett gaben und selbst auf dem Boden vor dem Haus schliefen. Aber auch nach mehrmaligem Bitten wollten sie nicht davon abrücken und so schliefen wir total fertig um 7 Uhr abends ein.
Der bis dahin zu Fuß zurückgelegte Marsch betrug 27 km und wir waren wirklich fix und alle!!!
Dies war der dritte Tag unserer kurzen aber anstrengenden Reise.
Hier nochmal ein Dropbox Link zu den Fotos.

Bis bald,

Euer Merlin

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Weihnachten am Strand

Nach dem aufregenden Trip ging es für uns in den 2. Urlaub unseres Aufenthalts in Indien. Wir haben uns entschieden in Gokarna unsere Weihnachten zusammen mit sieben weiteren Freunden zu verbringen. Gokarna liegt an der Westküste Indiens ca. 3 Stunden entfernt von Goa, dem eigentlichen Stranddomizil in Indien. Gokarna liegt ganz am Rand vom Bundesstaat Karnataka und ist bei den meisten Touristen unbekannt, genau das macht es aber auch so schön dort! Es gibt drei Strände, an denen man Hostels findet. Wir waren an dem in der Mitte, dem Kudle Beach . Der Kudle Beach ist der am wenigsten überlaufene Strand, wohl auch weil man einen ca. 750 m langen Bergab Marsch in Kauf nehmen muss, um ihn zu erreichen. Allerdings ist dann die Aussicht unglaublich schön! Der kurze Bergab-Weg lohnt sich also wirklich! Eine Postkarte würde dieses Motiv gut zieren! Am Kudle Beach haben wir alle sehr schnell eine Unterkunft gefunden, obwohl, Unterkunft kann man eigentlich nicht sagen. Ich habe in einer...

Hyderabad

Nun nach 2 Wochen gibt es wieder etwas von mir zu hören. Ich habe ja jetzt einige Male berichtet, wie es auf meinen Reisen so ist und wie ich Indien als Land sehe, zumindest, was ich schon gesehen habe. Allerdings lebe ich selbst ja in einer Stadt, die zwar weniger berühmt in Europa ist, allerdings 6 Millionen Einwohner hat. In einer Stadt zu leben, die fast 3 Millionen mehr Einwohner hat als unsere Hauptstadt, ist schon etwas ganz Anderes. In meinem Heimatdorf Billafingen Leben ca. 750 Menschen, man kennt nicht jeden, aber die meisten. Als ich hier in Hyderabad gelandet bin, war mein erster Gedanke, dass ich dieses unglaubliche Chaos unmöglich ein Jahr aushalten könnte!! Es geht drunter und drüber, es wird pausenlos gehupt und die Verschmutzung ist immens, wie ich schon einige Male berichtet habe. Mit der Zeit ist alles völlig normal geworden und man kennt sich aus, weiß, wo die schönen Punkte Hyderabads sind und fühlt sich fast ein wenig heimisch. Hyderabad hat unglaublich viele...

Mein Arbeitstag und unsere Arbeit

Ich wurde vor einiger Zeit gefragt, ob ich nicht mal ein wenig mehr über das Leben hier berichten kann. Nun, mein Tag beginnt normalerweise um 8:00 Uhr, weil ich aufwache, weil es taghell im Raum ist! Ich muss zugeben, in letzter Zeit war ich eher sehr faul, was das Yoga angeht, ich muss mir das Ganze auch immer von unserer Yoga Squad anhören, deshalb bleibe ich einfach schön liegen. Um 10:00 Uhr beginnt die Arbeit, wenn wir in Hyderabad sind, dann arbeiten wir sehr oft vor dem PC, aber auch kreative Ideen oder Vorbereitungen für die kommenden Field Trips stehen an! Am PC geht es meist darum, unsere Arbeit zu dokumentieren, da es sehr wichtig ist als NGO zu beweisen, dass das Geld, das von Spendern und auch der Regierung nicht unnütz verplempert wird. Des Weiteren dokumentieren wir ja auch sehr viele Probleme und diese müssen irgendwie kommuniziert werden und so schreiben wir Berichte über unsere Sicht der Dinge. Falls Interesse besteht, werde ich einen dieser Berichte auch hier ver...