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Hyderabad

Nun nach 2 Wochen gibt es wieder etwas von mir zu hören.
Ich habe ja jetzt einige Male berichtet, wie es auf meinen Reisen so ist und wie ich Indien als Land sehe, zumindest, was ich schon gesehen habe. Allerdings lebe ich selbst ja in einer Stadt, die zwar weniger berühmt in Europa ist, allerdings 6 Millionen Einwohner hat.
In einer Stadt zu leben, die fast 3 Millionen mehr Einwohner hat als unsere Hauptstadt, ist schon etwas ganz Anderes. In meinem Heimatdorf Billafingen Leben ca. 750 Menschen, man kennt nicht jeden, aber die meisten. Als ich hier in Hyderabad gelandet bin, war mein erster Gedanke, dass ich dieses unglaubliche Chaos unmöglich ein Jahr aushalten könnte!! Es geht drunter und drüber, es wird pausenlos gehupt und die Verschmutzung ist immens, wie ich schon einige Male berichtet habe.

Mit der Zeit ist alles völlig normal geworden und man kennt sich aus, weiß, wo die schönen Punkte Hyderabads sind und fühlt sich fast ein wenig heimisch. Hyderabad hat unglaublich viele Facetten. Auf der einen Seite gibt es die Viertel Hightech City, Banjara Hills und Jubilee Hills, in denen die wirklich Reichen leben und es sich gut gehen lassen. Dann gibt es die Mittelklasse Viertel oder eher den Mittelklasse Stadtteil Secunderabad und natürlich auch ärmere Gegenden wie diese, in der ich wohne: Trimulgherry. Es soll nicht heißen, dass ich mich unwohl fühle und dass es mir nicht gefällt, aber es war schon eine enorme Umstellung von dem Ruhigen, Sauberen ins Laute, Dreckige zu kommen.
In unserem Viertel gibt es alles, was man braucht. Der Frisör, der einem den Bart rasiert und die Haare schneidet für umgerechnet 2 Euro, es gibt den Bananenhändler an der Straße sowie zig kleinere Geschäfte, die alles anbieten, was man braucht. Alle diese kleinen Geschäfte ersetzen die ganzen großen Läden bei uns, so ist es auch nicht verwunderlich, dass man für Einkäufe meistens viel länger braucht als in Deutschland. Komischerweise haben die Inder diese Zeit und da die meisten Läden 7 Tage die Woche aufhaben, ist auch genug Zeit da.

Was Hyderabad allerdings kaum bietet, sind Erholungsorte wie einen schönen Park oder einen Fluss, an dem man einfach spazieren gehen kann. Es gibt zwar Parks, aber die sind entweder privat oder völlig zugemüllt und ein „Fluss” fließt auch durch Hyderabad, aber dieser ist so voller Müll, dass man das Wasser gar nicht mehr erkennen kann. Es gibt leider auch sehr wenige Sehenswürdigkeiten und das macht es schwer, nicht immer nur zuhause die Zeit zu verbringen.
An einer dieser wenigen Sehenswürdigkeiten waren wir neulich mit einigen Dorfbewohnern aus den Fields, die für ein Training nach Hyderabad gekommen waren. Wir waren zu 23st an dem Charminar. Das Charminar (übersetzt: vier Türme) ist das Wahrzeichen Hyderabads und liegt im Muslimischen Viertel, was völlig anders ist, aber dazu später mehr. Das Charminar ist ein großes Tor, was nicht nur in Hyderabad sondern in ganz Indien bekannt ist, da es eines der bedeutendsten Bauwerke der islamischen Architektur ist.

Das Charminar.
Leo und ich vor dem Charminar, unser Fotograf hatte leider nicht im Sinn, dass wir ja mit dem gesamten Bauwerk auf dem Foto sein wollten, aber ist auch egal :)



Um das Charminar herum wuselt es wie an einem Ameisenhaufen und man muss sich durch die Massen durchquetschen. Leo und ich entschieden uns schließlich auf das Tor hinaufzusteigen und dann kam wieder eine Situation, in der man merkt, dass wir Ausländer in Indien wirklich sehr gesondert behandelt werden. Wenn man in Deutschland zu einer Sehenswürdigkeit gehen möchte, die Geld kostet, zahlt man egal ob Schwarz, Weiß, Braun oder Rot immer den gleichen Eintritt. Hier ist das völlig anders!! Inder zahlen 15 Rupees Eintritt, Ausländer 200 Rupees. Mich hat das sehr geärgert, da ich es eine Frechheit finde, von den Menschen, die aus einem anderen Land kommen, einfach mehr zu verlangen als von normalen Bürgern. Nichts desto trotz zahlten wir und genossen dann auch die Aussicht von oben auf das rege Treiben unten.


Leider muss man sagen, dass dies auch schon eine von zwei Sehenswürdigkeiten ist, die wirklich schön zu besuchen sind, ansonsten ist Hyderabad eine Arbeiterstadt, die stinkt und laut ist. Es gibt alles bis eben auf gute Ausflugsmöglichkeiten draußen. Es gibt natürlich Museen und Kinos, aber wirklich so wie bei uns in Deutschland, dass man mal losfährt und in 30 min in einem schönen Park ist oder, wie in meiner Situation, am schönen Bodensee, gibt es hier einfach nicht. Die meisten unserer Touren führen uns in Restaurants und Bars, was zwar auch schön, aber mit der Zeit wirklich langweilig ist.
So ist es eben, dass ich einerseits froh bin in Hyderabad zu sein, da ich hier meine momentanen gesundheitlichen Probleme behandeln lassen kann, aber auch andererseits irgendwie ein bisschen genervt, dass es wenig zu sehen gibt und man immer nur isst und trinkt. Jammern auf hohem Niveau, ich weiß ! :D

Des Weiteren gab es eine sehr lustige Sache, zumindest für Skrollan, Toni und mich. Bei uns waren 27 Dorfbewohner zu Besuch wie ich oben schon erwähnt hatte. Alle diese 27 schliefen bei uns im Office was wirklich überhaupt nicht lustig war! Was unsere Laune dann aber enorm hob, war, dass der eine Dorfbewohner irgenwie sehr Gefallen an Leo gefunden hatte und es dann so kam, dass, als wir auf dem Weg zum Charminar waren, der junge Mann sich einfach Leos Hand nahm und dann fröhlich mit einem leicht genervten oder irritierten Leo die Straße hinunter lief. Leos Bemühungen, die Hand wieder aus dem Schraubstockgriff zu lösen, blieben sehr erfolglos und so wurde aus der kleinen Wanderung für Leo ein ganz besonderes Highlight und Skrollan, Toni und ich konnten kaum aufhören zu lachen.
Leo und sein neuer Kumpel beim gemeinsamen Gefühle zeigen

Ansonsten wird es zur Zeit kälter in Hyderabad, auch hier hat der Winter Einzug gehalten. Naja, Winter mit Tiefsttemperaturen von 17 Grad, aber das ist hier Winter.

Bis Bald

Euer Merlin

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